Nino CappelloModern menswear made in Italy · Men Can
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Nino Cappello Journal

Die gelöste Krawatte

Die Krawatte kehrt nicht als Pflicht zurück, sondern als bewusst gesetzte Linie. Aktuelle SS27-Berichte aus Mailand und Paris zeigen schmale Seidenkrawatten, Cravats, locker hängende Binder und einen neuen Prep, der Tradition mit persönlicher Freiheit verbindet. Neben einem langen Herrenrock gewinnt dieses kleine Stück Stoff eine präzise Aufgabe: Es zieht den Blick vom Gesicht über Hemd und Bund nach unten, während Pleats oder Wrap-Konstruktion in die Breite arbeiten. So entsteht Spannung zwischen Vertikale und Volumen – ruhig, maskulin konstruiert und offen für Individualität. Für Nino Cappello ist das kein nostalgischer Dresscode, sondern ein moderner Styling-Griff: italienische Sorgfalt, getragen mit der Haltung „Men Can“.

16. Juli 2026 · Editorial · Krawatte / Cravat / langer Herrenrock / New Prep / SS27
Editorial

1) Nicht Uniform, sondern Interpunktion

Eine Krawatte muss heute keinen Bürostatus behaupten. Ralph Laurens Mailänder SS27-Show setzte schmale Binder, bedruckte Cravats und Neckwear sogar außerhalb ihrer klassischen Funktion ein; Paul Smith zeigte Krawatten, die wie am Ende eines warmen Tages gelöst herabhingen. Genau darin liegt ihre neue Autorität: Sie schließt einen Look nicht ab, sondern setzt einen Doppelpunkt. Der lange Rock darf danach Volumen, Falte und Bewegung entfalten.

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2) Die vertikale Linie beruhigt Volumen

Ein langer Pleat- oder Wrap-Rock besitzt eine breite, bewegte Fläche. Eine schmale Krawatte gibt ihr ein ruhiges Gegenüber. Sie sollte sichtbar vor dem Hemd enden – idealerweise knapp oberhalb des Bundes oder wenige Zentimeter darüber. Zu kurze Binder wirken dekorativ, zu lange konkurrieren mit der Rockfront. Entscheidend ist nicht perfekte Symmetrie, sondern eine klare optische Achse.

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3) Drei Arten, Formalität zu lösen

Der gelockerte Four-in-hand hält die Krawatte erkennbar klassisch, nimmt ihr aber Strenge. Unter einem V-Neck bleibt nur ein konzentrierter Ausschnitt sichtbar – ideal für Rugby- oder Cricket-Knitwear. Ungeknotet unter einem weichen Sakko wird schwarze Seide zur fließenden Linie für den Abend. Eine Cravat mit kleinem Muster bringt dagegen Farbe und italienische Leichtigkeit in Leinen. Jede Variante funktioniert, wenn der Rest des Looks präzise bleibt.

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4) Material entscheidet über die Haltung

Matte Seide, Grenadine und trockene Wollseide harmonieren mit Tailoring und Faltenwolle. Glatter Satin wirkt abends stark, braucht tagsüber aber zurückhaltende Partner. Bedruckte Cravats passen zu Leinen, Popeline und Wildleder, wenn das Muster klein bleibt. Der Binder soll die Textur des Rocks ergänzen, nicht gegen sie kämpfen. Nino Cappellos Made-in-Italy-Perspektive beginnt deshalb bei Griff, Fall und sauberem Bund – nicht bei lautem Effekt.

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5) Selbstbewusstsein zeigt sich im Maß

Die Kombination aus Herrenrock und Krawatte braucht keine ironische Geste. Ein sauberer Kragen, ein glaubwürdiger Knoten, echte Schuhpflege und eine kontrollierte Farbskala genügen. Gerade das bewusste Maß macht den Look souverän: Der Rock erweitert Menswear; die Krawatte verankert sie in einem vertrauten Vokabular. „Men Can“ heißt hier, Tradition nicht abzuwerfen, sondern sie selbst zu bestimmen.

Styling

Styling-Box: Vier Linien, vier Städte

Vier konkrete Wege, Neckwear und langen Herrenrock von sommerlich bis abendlich zusammenzuführen.

Mann in Mailand mit langem navyfarbenem Faltenrock, tabakfarbenem Leinensakko und gelockerter burgunderroter Krawatte.Mailand: Burgundy auf Navy

Langer Navy-Pleat, elfenbeinfarbenes Leinenhemd, tabakfarbenes Sakko, schmale burgunderrote Seidenkrawatte, Navy-Strümpfe und braune Loafer.

Der gelockerte Knoten nimmt dem Tailoring Härte; die dunkle Vertikale führt direkt in den Bund.
Mann in London mit langem anthrazitfarbenem Wrap-Rock, grünem Cricket-Pullover, gestreifter Krawatte und Derby-Boots.London: Tie unter Cricket-Knit

Charcoal-Wrap-Rock, hellblaues Oxfordhemd, navy-creme gestreifte Krawatte, Forest-V-Neck, kurzer Mantel, Kniestrümpfe und Derby-Boots.

Nur ein konzentrierter Ausschnitt der Krawatte bleibt sichtbar; Strümpfe und Boots erden den Prep.
Mann in Paris mit langem schwarzem Wrap-Rock, inkfarbenem Sakko und ungeknoteter schwarzer Seidenkrawatte.Paris: Schwarz, bewusst ungeknotet

Fließender schwarzer Wrap-Rock, taubengraues Hemd, ungeknotete schwarze Seidenkrawatte, weiches Double-breasted-Sakko und schmale Boots.

Die offene Seide verlängert die Rockfront und ersetzt am Abend jedes laute Accessoire.
Mann in Florenz mit langem sandfarbenem Leinenrock, olivfarbener Weste und rostfarbener Cravat.Florenz: Cravat zu Leinen

Sandfarbener Leinenrock mit Box-Pleats, weißes Kurzarmhemd, olivfarbene Weste, gemusterte Rost-Cravat, Cremestrümpfe und Wildlederloafer.

Das kleine Muster bringt Wärme; Weste und Gürtel halten den sommerlichen Look konstruiert.
Men Can: Eine Krawatte ist am stärksten, wenn sie nicht Gehorsam signalisiert, sondern die eigene Linie sichtbar macht.
Quellen

Kurz gelesen

Die heutige Recherche stützt sich auf Berichte vom 19. Juni bis 2. Juli 2026 über die SS27-Schauen in Mailand und Paris.

  • The Guardian: Ralph Lauren nutzt schmale Seidenkrawatten, Cravats und Binder in unerwarteten Funktionen.
  • Vogue Runway: Liest die Kollektion als „new-school old school“ aus Craft, Utility, Prep und Neckwear.
  • Wallpaper*: Hebt Paul Smiths ungeknotete, locker hängende Krawatten als Bild entspannter Sommeranzüge hervor.
  • Vogue: Nennt Foulards, Krawatten und fließendes Tailoring als zentrale SS27-Linien.
  • ELLE Australia: Betont Thom Brownes boxiges Sakko über einem Rock als prägnanten Style-Move der Saison.

Entdecke lange Röcke, Wrap-Silhouetten und italienische Konstruktionslogik im Shop und Lookbook von Nino Cappello.